Anna von Broisch

Die kölsche Anna

Die Herkunft der Kölnerin Anna von Broich läßt sich entnehmen aus dem Ratsherrenverzeichnis von H. Schleicher und aus der Sammlung van der Ketten aus dem Kölner Stadtarchiv.
Annas Vater war kaiserlicher Rat in Köln. Der Adels- und Wappenbrief für Heinrich und Friedrich von Broich ist ebenfalls in der Sammlung v.d.Ketten vorhanden Er ist von Carl V. unterzeichnet zu Burgos in Kastilien am 10.März 1524.
Heinrich von Broich ist in Köln Ratsherr von 1542 bis 1551. In den Jahren 1545 und 1548 wird er zum 2.Bürgermeister gewählt. Heinrich von Broich war auch Rentmeister der Stadt Köln. Er vertrat die Stadt Köln auf den Reichstagen 1544 und 1551 (letzterer in Augsburg).

1549 wird der Verfall der kölner Universität beklagt. Auf einer vom kölner Erzbischof einberufenen Synode werden Maßnahmen zur Verbesserung der Verhältnisse beschlossen. Da Arnold von Brauweyler nicht in der Lage war, sich viel um Universitätsangelegenheiten zu kümmern, legte er sein Amt als Provisor nieder, an seiner Stelle wird Heinrich von Broich gewählt. In der ihm verbleibenden kurzen Zeit kann er aber auch nicht viel bewirken.

Eine wichtige Quelle kölnischer Geschichte zu der Zeit ist der Chronist Weinsberg. Und hier ist es auch an der Zeit, daß wir Conrad Betztorf ins Gespräch bringen. Anlässlich seines Todes am 9.Januar 1586 nennt Weinsberg ihn einen Syndicus und Ordinarius primiarius in jure civilci. Er war "ein bruers sohn uff dem Igelstein gegen St.Maviren straßen". Weinsberg vermerkt vorwurfsvoll, dass er, Weinsberg, mit Betztorf zusammen bei Dr.Johann Anholt in "licentiatas iuris" promoviert habe. Betztorf aber habe Heinrich von Broichs Stieftochter Lynner zur Frau bekommen. "Dieweil der her Broich und her Arnt Bruwiler burgermeister waren und sie Taufpat habe sie ihm uffgeholfen, da er rich wart".


Der arme Weinsberg. Was er hier behutsam andeutet, ist deutlicher aus dem Ratsprotokoll vom 27.4.1547 zu erkennen. Um den durch den Tod des Ordinarius Grunsgin vakanten Posten hatte sich auch Weinsberg beworben. Man hatte ihn aber darauf vertröstet "das man seiner zum negsten, so was fehlet, nicht vergessen soll". Er ist offensichtlich ein Opfer dessen geworden, wofür man heute den Ausdruck "kölscher Klüngel" gebraucht.

Aus dem Bericht über den Tod des Conrad Betztorf läßt sich das Alter desselben ermitteln. Er müßte dannach 1518 gebohren sein. Im Jahre 1553 ist er also 35 Jahre alt.

Für dieses Jahr ist bei Weinsberg nachzulesen: "1553 den letzten Mai ist Henrich Broch, Rentmeister der stat töln, ein leibzellicher her, an der pestillenz gestorben, den andern Tag ist sin hausfrau verschieden, diss hat einen groissen roif gemacht". Aus dieser Eintragung läßt sich ablesen, daß Anna schon gebohren sein muß. Sehen wir uns die Zusammenstellung aus der Sammlung v.d.Ketten noch einmal an, so kann man daraus allerdings mit Vorbehalt entnehmen, daß Anna das erste Kind des Heinrich von Broich und seiner Frau Anna geb. Lynner war. Wenn wir uns das Geburtsdatum Heinrichs III. v. Sachsen-Lauenburg in Erinnerung rufen, nämlich 1550, so kann man davon ausgehen, daß Anna mindestens gleich alt war wie er, evtl. sogar etwas älter (vielleicht 1 oder 2 Jahre).

Es ist nicht ganz sicher, ob Anna sofort nach dem plötzlichen Tod der Eltern in das Haus des Conrad Betztorf und seiner Frau, Annas Stiefschwester, gekommen ist. Es kann sein, daß Conrad Betztorf am 14.8.1555 offiziell ihr Vormund wird (Anmerkung in der Sammlung v.d.Ketten). Sie wächst jedenfalls in diesem Hause auf und wird deshalb auch später in einigen Quellen Anna Betztorf genannt.